Fotoschule Zingst

Ich schulde euch noch den Bericht zu meinem Fotokurs im Sommer. Lange habe ich darüber nachgedacht, ob es jemanden interessiert beziehungsweise überhaupt etwas bringt über meine Fotokurserfahrungen zu lesen, doch ich denke, dass meine Meinung nicht ungesagt bleiben sollte.

Lange freute ich mich auf den Fotokurs an der Fotoschule Erlebniswelt Fotografie Zingst ich konnte mich gar nicht entscheiden, welchen ich zuerst belegen wollte. Doch dann fand ich einen Einsteigerkurs der sowohl meinem Budget gerecht wurde, als auch eine ganz interessante Beschreibung mitsich brachte:
Ist der Kurs für mich geeignet? Ich fotografiere leidenschaftlich gerne. Mir gelingen auch schon ganz gute Schnappschüsse. Aber sie begeistern mich nicht. Ich bin mit meinen Ergebnissen nicht zufrieden und würde gerne wissen, woran das liegt. 

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Das klingt doch erstmal vielversprechend. Das Max Hünten Haus beeindruckte schon beim Betreten durch seine moderne Eleganz. Der Seminarraum war mit bester Technik ausgestattet, alles wirkte sehr vielversprechend.
Der Kurs an sich war dann allerdings gar nicht so meins. Zunächst guckten wir uns etwa eine halbe Stunde nur die Bilder des Fotografen an um sehen zu können, was richtig gute Bilder sind (ich sah darin jedoch keine ausergewöhnliche Professionalität). Anschließend sollte nun die langersehnte Theorie kommen, doch Pustekuchen. Wir sahen wieder nur Bilder von ihm, erst erklärte er uns noch den Bildaufbau, dann ging er wieder dazu über die Bilder nur zu zeigen. Ein paar wenige Worte verlor er noch über den goldenen Schnitt und noch weniger über Bildrechte und darüber wann man welche Menschen wie fotografieren darf. Dann ging es auch schon raus, naja vielleicht sind die zwei Fotostationen ja besser.

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Zuerst ging es an den kleinen Hafen, anschließend über einen Kunsthandwerkermarkt an die Seebrücke in Zingst. Beide Stellen hätte ich für mich persönlich nie ausgewählt zum Fotografieren. Der Strand war zu überlaufen, sowohl an der Seebrücke und im Hafen war nur pralle Sonne und kein schattiges Plätzchen um ein vernünftig belichtetes Foto hinzubekommen.
Mir schwebte also vor, ein Bild zu machen, in dem ich versuchte die Bewegungsunschärfe der wuselnden Touristen einzufangen und die Seebrücke als festen Punkt im Kontrast darzustellen. Ich fragte also den vermeintlichen Fotografen, wie man so ein Bild macht, die Antwort kam prompt und lies mich etwas an ihm und seine Fähigkeiten zweifeln. „Technisch geht das nicht, aber du kannst die Belichtungszeit verlängern und beim Fotografieren die Kamera bewegen, dann hast du auch ein verwackeltes Bild. Das sieht dann ganz kunstvoll aus“ Aha! hab ich gedacht, mich umgedreht und für mich alleine weiterfotografiert.
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Zurück im Seminarraum gab nun jeder seine SD Karte beim Seminarleiter ab und wir klickten uns durch jedes einzelne Bild, jedes Teilnehmers und hörten die Kommentare des „Fotografen“. Sein Lieblingssatz dabei: „Ich finde es ja lustig, dass immer alle die Boote und typischen maritimen Dine fotografiert. Naja für euch ist das ja was besonderes, ich bin ja hier groß geworden.“ Ähm ja … Der Bildaufbau wurde nur selten kommentiert, die Bilder als gut und schlecht einsortiert (nach Ansicht und Geschmack nur einer einzigen Person im Raum) und dann war es einfach so vorbei. Ohne weiteres Kommentar und ohne weitere Tipps.

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Mein Fazit:
So ein Fotokurs ist für den ein oder anderen Fotografiebegeisterten vielleicht genau das richtige, aber nicht für mich. Ich war froh, nur 49€ bezahlt zu haben um diese Erkenntnis zu gewinnen, auch wenn ich es eine Frechheit finde, für das Bisschen so viel Geld zu verlangen. Ich bin nicht der Typ, der unter Zeitdruck an vorgegebenen Orten fotografiert. Viel lieber hätte ich Künstler auf dem Kunstmarkt geknipst oder die Menschen, die darüber schlenderten, doch mussten wir über den Markt eilen um pünktlich an der Seebrücke zu sein.
In weniger als fünf Stunden hatte ich in meinem Onlineseminar Beyond the Basics mehr gelernt, und konnte mich endlich vom Automatikprogramm verabschieden. Auf Nachfrage eines anderen Kursteilnehmers ob wir wenigstens die einfachsten Einstellungen und Unterschiede von Tiefenschärfeeinstellungen und Belichtungszeit kurz ansprechen könnten, kam nur eine knappe Antwort: „Wir haben einen fünf Stunden Kurs und keine fünf Wochen und selbst in den fünf Wochen könnte ich dir das nicht beibringen.“ Vielleicht habe ich nur einen schlechten Kurs erwischt, einen Kursleiter, mit dem ich nicht auf einer Wellenlänge war oder einfach zu viele Erwartungen gehabt.
Schlussendlich mag ich es dann aber doch lieber beim Fotografieren nicht stets und ständig beobachtet zu werden, probiere mich gerne mit meiner Kamera an verschiedenen Tageszeiten und Orten aus und entscheide gerne selbst, was ich schön finde und was nicht.

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3 Gedanken zu “Fotoschule Zingst

  1. Schade, dass du so enttäuscht von dem Kurs warst. Aber ich kann dir versichern – ich wäre es auch gewesen. Ich will doch nicht Bilder ansehen (was ich kostenlos im Internet auch alleine kann) und mir anhören, dass mein Motiv gewöhnlich ist, wenn man mich an einen vorgegeben Ort zwingt. Also… schade, dass du dabei 49 Euro verloren hast.
    Fotoworkshops und -kurse habe ich mir immer sehr lehrreich und inspirierend vorgestellt… aber ich glaube, jetzt habe ich sogar „Angst“ mein Geld für sowas zu verschwenden. Denn woher will man vorher wissen, was man geboten bekommt?
    Ich hätte da nämlich gern ein paar technische Grundlagen, etwas zum Bildaufbau und wie man bestimmte Effekte erzielt und gegebenenfalls schwierige Lichtsituationen meistert und dann vielleicht noch kurz Verbesserungstipps zu meinen Bildern, aber das muss nicht mal unbedingt sein,

    1. Vielleicht ist dann ein Onlineworkshop und Fotospaziergänge etwas für dich. Bei dem ersten weißt du vorab, was du für dein Geld bekommst, beim zweiten gibt’s Inspiration und einen kreativen Austausch zwischen den Fotografen. Ich bin wirklich zufrieden mit dem Kurs vom A Beautiful Mess Team und werde sicher nochmal einen abschließenden Post darüber schreiben.

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