Buchempfehlungen im Januar

Oh Schreck lass nach! Oder wie wir unser altes Französischbuch gerne zitieren: „Eh boum c’est le choc!“. 3,5 Stunden saß ich gerade am Laptop, 3 Tassen Kaffee habe ich getrunken, tausende Gedanken in Worte formuliert und dann das: Akku leer – ätschebätsch den Artikel kannste jetzt nochmal schreiben. WAASSS?! Mac verwöhnt wie ich bin, habe ich natürlich nichts gespeichert und auch keine Absätze irgendwo hinterlegt, also kann ich nun nochmal von vorne anfangen meine Buchempfehlungen für den Januar zu tippen und hoffe, die Frustration und Verlorenheit sprechen nun nicht aus meinem Artikel. Wenn doch, tut es mir leid, und ich gelobe Verbesserung, dass ich fortan immer mal zwischenspeichern werde. (Gespeichert)

Viele, viele wundervolle Bücher lagen dieses Mal unter dem Weihnachtsbaum. Jeder von uns hatte mindestens ein Buch verschenkt und so sah es in unserem Wohnzimmer fast aus, als sei das Bücherregal umgekippt und niemand hätte die Bücher wieder zurückgestellt. Ein paar nützliche Bücher waren darunter, leider auch eines, dass sich als großer Flop entpuppte und viele anderen die wundervolle Geschichten und Erzählungen in sich tragen.

Da ich in der Buchhandlung, in der ich arbeite leider nicht alle meine Lieblingsbücher empfehlen kann, da diese gerade nicht vorrätig sind, oder ein Kunde lieber einen Krimi statt ein liebevoll illustriertes Bilderbuch haben möchte, habe ich sofort an meinen Blog und euch – meine wundervolle Leserschaft, gedacht. Hier kann ich empfehlen wonach mir ist und was ich wirklich gerne mag, muss auf keine Kundenwünsche achten und bin auf kein Buchlager angewiesen, dass partout keinen Platz für all unsere Lieblinge bereithalten will. Ich hoffe, ihr könnt den ein oder anderen Schatz entdecken und nehmt euch auch meinen Flop des Monats zu Herzen.

Etwas für schöngeistige Sommerliebhaber

J.L. Carr schafft es auf seine ganz besondere Art und Weise ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit in seiner Geschichte zu transportieren, das einem noch lange nach dem Lesen erhalten bleibt. Ich habe das Buch an einem der Tage zwischen den Jahren gelesen. Draußen regnete und stürmte es, im Fernsehen lief ein blutrünstiger Quentin Tarantino Streifen und der Weihnachtsbaum versuchte mit aller Kraft gegen diese unweihnachtliche Stimmung anzuleuchten. Mit Kopfhörern und irgendeiner klassischen Musik blendete ich die Umgebung aus und widmete mich ganz der Geschichte. Tom Birkin ist ein ehemaliger Soldat, der gezeichnet vom ersten Weltkrieg nun Ruhe und Frieden in seiner Arbeit als Restaurator sucht. Im Sommer 1920 kommt er so in ein kleines Dorf in dessen Kirche ein überstrichenes Wandgemälde freigelegt werden soll. Da er die Stille und Einsamkeit sucht, bittet er darum in der Glockenturmkammer Quartier beziehen zu dürfen. Von dort aus beobachtet er jeden Morgen, wie die Sonnenstrahlen die Wiese vor der Kirche und das ganze Dorf nach und nach in warmes Licht tauchen. Nach kurzer Zeit lernt er den jungen Moon kennen, der ebenfalls durch eine Auftragsarbeit in das Dorf kam und nun in einem Zelt auf besagter Wiese campiert und arbeitet. Sie beginnen jeden Tag mit einem gemeinsamen Frühstück, einer heißen Tasse Tee und einem anregenden Gespräch. Die Ruhe und Leichtigkeit dieses Morgenrituals zieht sich durch den gesamten Tagesablauf der beiden und bestimmt das Gefühl, dass die Geschichte mit sich bringt. Eine wundervolle, leichte Erzählung über flüchtige Freundschaften, den Reiz einer unerwiderten Liebe und der Geborgenheit in der Einsamkeit. Während des Lesens habe ich das schlechte Wetter, den Weihnachtsbaum und erst recht Tarantino völlig vergessen. Die wohlige Wärme der sommerlichen Mittagssonne, das Summen von Bienen und Zwitschern der Vögel und vor allem die träge und entspannte Lethargie des Sommers machten sich während des Lesens in mir breit, sodass ich das Buch wehmütig schloss und mir wünschte, dass es noch nicht zu Ende wäre.
(Ein Monat auf dem Land – Dumont Verlag)

Etwas für sachverständige Naturliebhaber

Das geheime Leben der Bäume erschien bereits im Mai 2015 und wurde später auch im Programm der Büchergilde aufgenommen. Die Büchergildenausgabe hat es mir dann doch angetan und ich dachte mir, selbst wenn der Inhalt nicht gut sein sollte, ist es immerhin ein echter Hingucker im Bücherregal. Was soll ich sagen? Obwohl ich kein großer Fan von Sachbüchern bin muss ich sagen, dass ich dieses Buch wirklich liebe. Bisher gab es leider zu viele Sachbücher, die ein wirklich interessantes Thema behandelten, die aber unfassbar schlecht geschrieben war. Das ist hier zum Glück nicht der Fall. Peter Wohlleben ist im echten Leben Förster, der seine ursprüngliche Liebe zur Natur im Laufe seiner Karriere verloren hatte (wie das ja leider oft der Fall ist). Er konnte sich nicht mehr für die Schönheit von urigen Bäumen erwärmen, sah nur noch das Potential der grade gewachsenen Schönheiten, die auf dem Markt der freien Wirtschaft einen hohen Gewinn erzielten. Irgendwann begann er dann aber Führungen und Touren quer durch Wald und Wiese für Touristen zu organisieren und das war sein Glück und seine Rettung vor einem stupiden Arbeitsalltag. Durch die Fragen und Begegnungen der fremden Menschen entdeckte er die Schönheit der Natur wieder und die kann man aus jedem einzelnen Kapitel seines Buches herauslesen. Was mir wirklich gut gefällt ist, dass man das Buch immer mal wieder zur Hand nehmen und einzelne Kapitel daraus lesen kann ohne das ganze Buch auf einmal wie einen Roman lesen zu müssen. Immer wenn ich wiedermal das Bedürfnis nach einem Sachbuch verspüre, kann ich hier viele interessante Informationen lesen und lernen. Denn das kann ich euch versprechen, die Informationen sind unfassbar interessant und bleiben ganz automatisch im Kopf. Interessant und leicht erzählt Peter Wohlleben, das und wie Bäume untereinander kommunizieren, er berichtet davon, dass sich die Bäume gegenseitig helfen und heilen, dass sie eine Gemeinschaft bilden und dass es wirklich wenig ratsam ist Bäume wider ihrer natürlichen Umgebung anzupflanzen und nach eigenen Vorlieben zusammenzustellen. Unfassbar spannend und mit wahnsinnig viel Klugscheißerpotential.
(Das geheime Leben der Bäume – Ludwig Verlag)

Etwas für Büchersammler, Schöngeistige und Phantasten

Mein heimlicher Favorit in der Liste der Lieblinge ist dieses wundervolle Bilderbuch von Carson Ellis. Mutet es zunächst als Kinderbuch an, muss man schnell feststellen, dass es ein Buch für jedermann ist. Jung und alt können der Künstlerin bei ihrem Schaffensprozess über die Schulter schauen: Während die Kleinen unbekannte Welten entdecken und ihr Blick für die Wohn-Gewohnheiten fremder Völker geöffnet wird, können die Großen lernen, wie man sich von den kleinen Alltagsgegenständen, die uns oft unbemerkt begleiten inspirieren lassen kann und wie man neue Ideen aus althergebrachten Dingen schöpft. Auf jeder Seite gibt es so viele Dinge zu sehen, die man immer wieder neu entdecken und interpretieren kann. Wer Kinder hat kann mit dem Buch gleich doppelt punkten – sollte sich das Buch trotzdem unbedingt kaufen. Wenn ich mal in einer Krise feststecke, nicht weiter weiß, ideenlos, ausgebrannt und unkreativ bin brauche ich nur willkürlich eine Seite aufschlagen und schon sprießt die Phantasie wieder und ich kann mich frisch ans Werk machen. Das Buch hilft übrigens auch gut darüber hinweg, wenn mal der Computer Zicken macht und den fertigen Blogpost verschwinden lässt 😉
(Zuhause – Nord|Süd Verlag)

Flop des Monats

Ich hatte mich wirklich sehr gefreut ein mir völlig unbekanntes Buch unter dem Weihnachtsbaum zu finden, eines das augenscheinlich leicht geschrieben ist und für den ein oder anderen Lacher oder zumindest für ein Schmunzeln sorgt. Was für eine grandiose und doch einfach Idee ein Buch zu schreiben, war mein erster neidvoller Gedanke. Mein zweiter: na ja, ich habe zwar viele, viele Stunden in Fernbussen und mit Mitfahrgelegenheiten verbracht, aber so viele spannende oder gar lustige Dinge habe ich dabei nicht erlebt. Beim Lesen musste ich dann allerdings schnell feststellen, dass auch Sina Pousset keine Ausnahme darstellt und auch sie nicht wahnsinnig viele spannende oder gar lustige Dinge auf ihren Reisen erlebt hat. Die wenigen witzigen Ausführungen hätten wahrscheinlich in eine Broschüre gepasst, doch aus irgendeinem unerfindlichen Grund wollte oder musste sie nun mit aller Gewalt ein ganzes Buch daraus machen. Aus jeder noch so kleinsten Mücke wird ein riesen Elefant gemacht. Ein bisschen Drama, okay – das gehört wohl bei jedem Schriftsteller dazu, aber das ist dann doch zu viel des Guten. Ich hatte mir ein Buch erhofft, das mich an die ein oder andere längst vergessene Situation auf Reisen erinnert, das mich Schmunzeln lässt, weil ich es so gut nachempfinden kann, worüber sie sich auslässt und was ich jedem in die Hand drücken kann, der vor hat zum ersten Mal per Fernbus zu verreisen. Doch leider wurden meine Erwartungen gleich in den ersten Kapiteln zerschlagen.
Vielleicht hätte sie einfach noch ein paar Jahre länger mit den Fernbussen dieser Welt reisen sollen, vielleicht hätte sie Geschichten und Erfahrungen von Freunden und Bekannten sammeln sollen und vielleicht hätte sich der Stoff dieses Buches besser in einer Kolumne gemacht, die dann nach vielen, vielen Jahren in ein Buch gipfelt. Doch all diese vielleichts bringen nun nichts mehr, da diese wundervolle Idee in den Sand gesetzt wurde und nun wahrscheinlich nie wieder neu gedacht und geschrieben wird.
(Keine Ahnung, wo wir hier gerade sind – Goldmann Verlag)

Was lest ihr gerade? Habt ihr auch eine wundervolle Neuentdeckung gemacht, die ihr uns empfehlen könnt?

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